Mugshots – Amerika belebt den Pranger neu |Tampabay|Slammer|Creative Sentencing

Mugshots – Amerika belebt den Pranger neu

Der Pranger erfreute sich im Mittelalter großer Beliebtheit. Jede Stadt hatte auf dem Marktplatz eine Vorrichtung, an der  Verbrecher angekettet und öffentlich zur Schau gestellt werden konnte. Auf den ersten Blick eher moderat, verglichen mit anderen Methoden des mittelalterlichen Rechtssystems.  Man denke nur an die „peinliche Befragung“, bei der die Delinquenten so lange gefoltert wurden, bis sie entweder gestanden oder den Tod fanden. Auch das Abhacken von Händen und öffentliche Hinrichtungen wirken deutlich schlimmer als ein paar Stunden am Pranger zu stehen.Das Perfide am, auf den ersten Blick, eher harmlos anmutenden Pranger war die öffentlichen Schande, welche der Verurteilte zu erdulden hatte. Stigmatisiert war das Weiterleben in der Gemeinschaft schwer und oft gar unmöglich.

Mugshots: Öffenliches Anprangern Verdächtiger in den USA - im Original nicht anonymisiert

In den USA finden sich gewisse Regionen, in denen man noch heute das Gefühl hat im  Mittelalter zu leben, zumindest was Tugenden wie Toleranz gegenüber Andersdenkende und Weltoffenheit betrifft. Der Begriff  „Red Necks“ steht synonym für Personen mit einer solche Weltsicht. Die Neubelebung des Prangers in den Counties Pinellas, Hillsborough, Manatee und  Pasco Floridas stellt aber auch das in den Schatten. Auf http://mugshots.tampabay.com/* werden alle Inhaftierten der letzten 24 Stunden veröffentlicht. Dabei werden die Polizeifotos der Beschuldigten, unter Angabe des vollen Namens und der Verbrechen, deren sie beschuldigt werden, präsentiert. Dabei gilt in den USA bis zum Beweis der Gegenteils die Unschuldsvermutung. Diese Weiterentwicklung des „Creative Sentencing“, bei der Verurteilte schon seit Jahren mit vollem Namen im Internet veröffentlicht werden, darf als neuer Tiefpunkt in der amerikanischen Rechtsgeschichte gelten. Ob das Anprangern von Verdächtigen je bei der Verbrechensprävention half, darf bezweifelt werden. Sicher ist jedoch, daß Untugenden wie Voyeurismus und Schadenfreude massiv Vorschub geleistet wird. Die Verlierer in diesem perfiden Spiel stehen jedoch fest: Die bisher nur unter Verdacht stehenden Opfer dieser Praktik.

Es bleibt zu hoffen, daß sich dieser Trend nicht auch in Europa etabliert.

Leider kann sich der Autor noch an seine eine erste amerikanische Talkshow im brandneuen Kabelfernsehen erinnern.  Der Titel: „I have a ungratefull daughter“, auf deutsch „I habe eine undankbare Tochter“. Damals noch sicher, das solche öffentliche Exzesse im deutschen Fernsehen niemals möglich sein werden, wurde er schnell, durch die aufkommenden Talkshows der Privatsender, eines Bessern belehrt.

* FYI: Neben Mugshots wird bald „The Slammer“ in Raleigh, North Carolina mit einer vergleichbaren Seite online gehen. Als Printmedium verdient „The Slammer“ bereits prächtig an der Veröffentlichung von Verhaftungsfotos.

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Literatur:

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