Zurück aus der Wüste: LH-Cargo reaktiviert vier MD 11 | McDonnell Douglas

Zurück aus der Wüste: LH-Cargo reaktiviert vier McDonnell Douglas  MD 11
Es gab eine standesgemäße Begrüßung: Als LH 8253 an einem Freitag um 12.10 Uhr und damit fast eineinhalb Stunden früher als geplant auf dem Frankfurter Flughafen aufsetzte, spritzen zwei Löschfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr haushohe Fontänen über die MD-11 „Charlie Romeo“ von Lufthansa Cargo. Aus dem Cockpit winkten Flottenchef Fokko Doyen und dessen Kollegen Manfred Schridde und Jereon Krommenhoeck dem „Empfangskomitee“ zu. Lufthansa Cargo hatte die erste von vier vorübergehend im kalifornischen Victorville geparkten McDonnell Douglas MD-11 wieder zurückgeholt.

MD 11 in der Mojave-Wüste presse.lufthansa.com

Es war zwar keine einfache Entscheidung gewesen, solch tolle Flugzeuge in der Wüste zu parken“, sagte Vertriebs-Vorstand Andreas Otto, doch in der Rückschau habe es sich als „richtig erwiesen, mit reduzierter Kapazität durch die Krise zu steuern“.

Der zeitweilige Parkplatz der Flugzeuge war der Southern California Logistic Airport am südwestlichen Rand der Mojave-Wüste. Er liegt im gleißenden Sonnenschein. Keine Wolke am Himmel, 26 Grad Außentemperatur. Die McDonnell Douglas MD-11 mit der amtlichen Kennung D-ALCR steht auf einer Parkposition weitab der Landebahn, die mit 4587 Metern nach dem Denver-Airport die längste in den USA und deshalb auch offizieller Ausweichflughafen für das Space-Shuttle der Nasa ist. Die Wüsten-Flughäfen von Kalifornien, New-Mexico und Arizona sind wegen ihres gleichmäßigen Klimas für den Zwischen-Stopp gut geeignet. Die trockene Hitze verhindert Korrosion und bremst den Alterungsprozess der Jets.

Als die Finanz- und Wirtschaftskrise auch die Luftfahrt immer stärker ergriff, beschloss der Vorstand von Lufthansa Cargo, vier der insgesamt 19 MD-11 Fracht-Maschinen in der Wüste Amerikas zu parken. Die Wahl fiel auf den Flughafen von Victorville im Südosten der Mojave-Wüste und rund 130 Kilometer nordöstlich von Los Angeles entfernt. Entscheidend für den Standort waren neben den „Parkgebühren“ die gute Erreichbarkeit des Flughafens sowie die Kundenorientierung des Unternehmens Pacific Aerospace Resources & Technologies (PART), das die Wartung der vier McDonnell Douglas MD-11 übernahm. Denn mit dem Parken alleine ist es nicht getan. Auch am Boden müssen die Maschinen betreut und gepflegt werden.

Da die vorübergehend stillgelegten Flugzeuge irgendwann wieder abheben sollen, werden sie nach der Ankunft in der Wüste sorgsam behandelt – und zunächst einmal gründlich verpackt. Triebwerke, Fahrwerke, Geschwindigkeits- und Höhenmesser-Sensoren und Türen: Alles was Öffnungen hat, wird mit Folie abgedichtet. „Die Außerdienst-Setzung der Lufthansa-Cargo-Maschinen“, sagt Flottenmanager Andreas Grubert, „dauerte rund eine Woche“. Nach der Verpackung ließen die Mitarbeiter der Wartungsfirma PART das Motorenöl komplett ab und tauschten es gegen ein spezielles Konservierungsöl aus. In den Motoren, im Bereich der elektronischen Komponenten und auch im Cockpit wurden pro Maschine rund 300 Beutel verteilt, deren Füllung mögliche Feuchtigkeit binden sollte. Jede McDonnell Douglas MD-11 wurde mit 30 000 kg Kerosin betankt. „Das ist wichtig“, so Wartungsingenieur Grubert, „damit die Tanks nicht undicht werden.“ Wären sie leer, bestünde die Gefahr, dass die Dichtungen spröde und in der Folge die Tanks undicht würden. Einmal pro Monat gingen die vier MD-11 sogar auf Reisen. Zehn Meter vor und dann wieder zehn Meter zurück. Damit die „Reifen nicht eckig werden“, wie Grubert verschmitzt erzählt.

Nach 114 Tagen Zwangsaufenthalt in der Wüste durfte die erste von vier McDonnell Douglas MD 11 wieder in ihre deutsche Heimat zurückkehren. Vorher war sie von eigens eingeflogenen Lufthansa-Piloten und Technikern noch einmal auf Herz und Nieren überprüft worden. Sogar ein zweistündiger Testflug war notwendig. Der ist bei Wiederinbetriebnahme vorgeschrieben. Durchführen dürfen solche Flüge nur speziell geschulte technische Piloten, von denen es bei Lufthansa Cargo fünf gibt. Nach dem letzten Okay ging es mit 60 Tonnen Fracht an Bord zurück nach Frankfurt und damit wieder in den regelmäßigen Liniendienst bei Lufthansa Cargo.

Quelle: presse.lufthansa.com



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